Haecksen=Hexen?

Beim Ende 2019 stattfindenden Geekend haben wir uns intensiv mit der Geschichte von Hexen und Hexenverfolgung auseinander gesetzt. Großer Dank gilt der Haeckse, die damals viel Zeit in die Erforschung und Aufbereitung des Themas gesteckt hat. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels ist dies schon eine Weile her, aber trotzdem hier der Versuch, die gewonnenen Erkenntnisse zusammen zu fassen.

Historie der Hexenverfolgung

Das hier ist nur eine stark zusammengefasste Version der Geschichte, die sich darauf konzenztriert die Aspekte herauszuarbeiten, die für die Konsequenzen besonders wichtig sind. Sollte es zusätzliche Aspekte geben, die wichtig für die Konsequenzen sind, bitte gerne einfügen!

Auf media.ccc.de gibt es sauch einen Vortrag von melzai zum historischen Kontext.

Achtung, Triggerwarnung: sexualisierte Gewalt

Umfeld

Gegen Ende des Mittelalters und in der frühen Neuzeit gibt es in Europa zahlreiche Krisen:

Hexenverfolgungen und Hexenprozesse fallen nicht zufällig mit einem Wandel des Gesellschaftsmodells und Geschlechterrollen zusammen. Während im Mittelalter die Subsistenzwirtschaft (Produktion für den Eigenbedarf) vorherrschte, setzt sich anschließend die Geldwirtschaft und der Kapitalismus durch. Männer[*] sind zunehmend außerhalb des eigenen Hauses marktwirtschaftlich tätig, während für die Frauen[*] Lohnarbeit nicht (oder nur zu sehr viel schlechteren Konditionen) vorgesehen ist. Frauen[*] werden auf Tätigkeiten rund um die Reproduktion festgelegt und sind durch die dadurch entstehende Abhängigkeit sozial degradiert.[2]

Begriffsentstehung

Die Entstehung des Begriffs Hexe[**] lässt ab dem Beginn des 15. Jahrhunderts nachweisen. Hexen werden alle möglichen Eigenschaften unterstellt, die sich aus Vorwürfen zusammensetzen, die bereits im Mittelalter verfolgten Gruppen unterstellt wurden. Aus den Geständnissen von als Ketzern verfolgten Kathareren und Waldendsern werden Teufelsanbetungen und nächtliche orgiastische Zusammenkünfte übernommen, aber auch antijüdische Vorurteile wie Kinderopfer und der Hexentanz (in der Synagoge; daher der Begriff „Hexensabbat“) werden hineinprojiziert.

Auch wenn die Inquistion nur für einen sehr kleinen Teil der Hexenprozesse verantwortlich war und es aufseiten der Kirchen auch gebietsweise Widerstand gab[4], wurde von geistlichen Hexentheoretikern die Grundlage für die Hexenverfolgung gelegt. Dies geschah mit einer Pabstbulle im Jahr 1484 in Verbindung mit dem sogenannten Hexenhammer, einer Art Anleitung zur Verfolgung vor allem weiblicher Hexen.[5] Auch die Reformatoren Luther und Calvin befürworteten Hexenverfolgung. Luther hielt explizite Hexenpredigten; er ging davon aus, dass Hexen Umgang mit dem Teufel hätten, und unterstellt ihnen zahlreiche Schadzauber und den Pakt mit dem Teufel.[6]

Prozesse gegen Hexen fanden allerdings (zumindest auf dem Gebiet des heutigen Deutschland) vornehmenlich vor weltlichen Gerichten statt und dienten den Herrschenden (insbesondere von Kleinstaaten) auch als Instrument, um die eigene Autonomie und Gerichtshoheit zu dokumentieren und zu festigen.[4]

Der Begriff Hexe heute

In stark verklärter Form hat die oben beschriebene Vergangenheit ein heutiges Hexenbild hervorgebracht, das größtenteils immer noch von negativen Stereotypen besetzt ist.[7] Es gibt aber inzwischen auch positiv besetzte Hexen, z.B. in der Kinderliteratur.[8] Dazu gibt es Bestrebungen, den immer noch als Schimpfwort verwendeten Begriff durch die Selbstbezeichnung als Hexe anzunehmen, damit die Deutungshoheit zu erlangen und ihn dadurch zurückzugewinnen.[9][10] Siehe auch Satanic Feminism.[11]

Konsequenzen für die Haecksen

Anmerkungen

[*] In der Forschung zum Thema Hexen wird (so weit es unsere Quellen betrifft) mit einem binären Bild von Geschlechtern gearbeitet. Vermutlich gibt die spätmittelalterliche Quellenlage auch nichts anderes her. Da im ersten Abschnitt hauptsächlich solche Quellen zitiert werden, bilden wir dies hier ebenfalls so ab, da die Quellen keine Informationen dazu bieten, wie mit Menschen, die ihr zugewiesenes Geschlecht als unpassend empfanden umgegangen wurde.

[**] Auch wenn es durchaus auch Männer gab, die der Hexerei bezichtigt wurden (dann aber auch eher unter dem Begriff "Zauberer"), sind diese grade in Deutschland in der Minderheit. Da sich dieser Artikel mit dem Begriff Hexe auseinandersetzt bleiben wir hier beim Begriff Hexe.

Vorschläge, wie in diesem Artikel besser gegendert werden könnte sind erwünscht.

Quellen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Einhegung

[2] Silvia Federici, Caliban und die Hexe, 2012, Seite 89/90

[3] Women in early modern Europe 1500-1700, 2007, Seite 285

[4] https://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/hexenwahn/aufsaetze/01.htm

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Hexenhammer

[6] http://www.anton-praetorius.de/downloads/Hexenpredigt%20von%20Martin%20Luther.pdf

[7] https://vimeo.com/110490817 Hexen in Filmen

[8] https://www.grin.com/document/106319

[9] https://awomensthing.org/blog/witches-feminism/

[10] https://www.zeit.de/kultur/2018-10/feminismus-hexen-bezeichnung-negativitaet-symbol-weibliche-selbstermaechtigung-10nach8

[11] https://www.youtube.com/watch?v=sjFfWdvdgkU&feature=emb_logo Satanistic Feminism


Revision #4
Created 8 March 2022 14:54:09 by merline
Updated 7 June 2023 07:50:06 by merline