Skip to main content

allgemeines Epoxidharztutorial

Es gibt verschiedene Epoxidharze. Diese Seite gibt eine kurze Übersicht zur allgemeinen Verwendung von nur einem Typ, nämlich sehr flüssigem Epoxidharz (fast "wie Wasser") mit sehr langer Aushärtezeit (~24h), welches KEINE Verbindung ("Verklebung") mit anderen Plastikmaterialien eingeht und durch Mischung von 2 Komponenten aushärtet. (Da ich keine Werbung machen möchte, nenne ich öffentlich keine Handelsnamen).

TL;DR: Epoxidharz ist nur dann schrecklich in der Handhabung, wenn du nicht weißt wie es geht!

Disclaimer: Handeln auf eigene Gefahr. Sicherheitsdatenblatt des Herstellers immer beachten!

Einleitung

Im November/Dezember 2019 beschäftigte ich mich zum ersten mal mit Epoxidharz und habe nach ein paar wenigen kleinen Testprojekten direkt mit großen Projekten angefangen. Da die Projekte auf viel Interesse stoßen, habe ich diese Anleitung zusammenegschrieben.

Fehler, die am Anfang passieren

Längliche Tischlampe mit LEDs, Objektgröße: 8x8x35cm, ca 2.3kg.

Bild: haecksen.org Bild: haecksen.orgBild: haecksen.org

  • Das erste Bild zeigt das fertige Ergebnis, mit sichtlich milchiger Trübung, da zu viel Farbpigmente verwendet wurden. Ausserdem hat sich die Plastikfolie (Gussform) wegen der Hitze stark verformt, was zu sichtbaren Wellen geführt hat.
  • Das zweite Bild zeigt wie die Zahnstocher (Holz) ausgasen und Luftblasen erzeugen.
  • Auf dem dritten Bild (Front- und Seitenansicht) sind sowohl die Luftblasen, die Gussschichten, als auch die Risse zu sehen, die durch zu viel Hitzeentwicklung entstanden sind. Um Hitze, Risse und sonstige Verformungen zu vermeiden, sollte in diesem Fall die Schichtdicke nicht mehr als ca. 1cm betragen. Die Risse sind bei ca. 2-3cm Schichtdicke entstanden und zum Glück nicht ganz so stark sichtbar, da die nächste Gußschicht die Risse aufgefüllt hat.

Die sehr milchige Schicht beinhaltet glow-in-the-dark Pulver/Pigment, welches aber leider zu schwach leuchtet. Um einen sichtbaren Effekt zu haben, müsste wesentlich mehr Pulver verwendet werden, was allerdings nicht schön aussehen würde, da das Harz dann fast nicht mehr transparent wäre.

Auch wenn sowohl die Wellenform, die milchige Trübung, die Luftblasen und Risse nicht beabsichtigt waren, sieht das Ergebnis zum Glück trotzdem hübsch aus. Je nach Projekt möchtest du diese Fehler aber vielleicht lieber vermeiden.

Weitere Fehler bei anderen größeren Objekten:
  • Bei einem Projekt lief zunächst alles super, aber leider "ruinierte" ich das Ergebnis, indem ich versehentlich zu viel Pigment (lila-schwarz-Mischung) ganz am Schluß zur obersten Schicht untermischte. Danach waren die vielen kleinen Details  nicht mehr sichtbar.
  • Einige kleine Stellen härteten nicht ganz aus und mussten mit einer bedeckenden Schicht geflickt werden. Das klappte zunächst ganz gut, das weiche Harz suppte aber ein Jahr später an den Kanten doch wieder heraus.
  • Aus Styropor gebastelte Planeten gasten aus. Das war kaum zu retten.
  • Bei einem Projekt habe ich unter sehr viel Zeitdruck gearbeitet und das Harz beim anmischen nicht ordentlch verrührt. Einige große Stellen härteten nicht aus.

Viele Monate und einige Erfahrungen später ersetzte ich die obige Tischlampe durch eine neue in Regenbogenfarben.

  • Um eine Farbenkatastrophe mit homogen durchmischter Farbensoße zu vermeiden, so wie bei einem anderen Projekt geschehen, baute ich mir diesesmal eine Gießvorrichtung. Diese wurde genau berechnet und bemessen, so daß alles passte. Die Arbeit lohnte sich allerdings, denn das Ergebnis ist bezaubernd geworden.

Zutaten & Werkzeuge

Bild: haecksen.org Bild: haecksen.org

Was du brauchst:

  • viel Geduld!
  • Epoxidharz: Komponenten A und B, im vom Hersteller angegebenen Verhältnis (in unserem Fall 2:1)
  • Wegwerf-/Latexhandschuhe
  • Flasche <100% Alkohol
  • Küchenpapier
  • Frischhaltefolie
  • Plastikbehälter zum anrühren (z.B. Yoghurtbecher bzw. für große Projekte 1kg Yoghurteimer)
  • Umrührstöckchen (z.B. Zahnstocher für kleine Mengen, Essstäbchen für größere)
  • Küchenwage (>100g) oder Briefwage (<100g)
  • Feuerzeug (für Bläschenbeseitigung)
  • optional: Farbpigmente
  • optional: Deko, LEDs, Lichterkette usw.
  • für Nachbearbeitung: Cuttermesser, Schleifpapier, oder Feilen
  • Gussform aus z.B.: Acrylplatten, laminiertes Papier, Papier mit breitem Tesafilm überzogen ö.ä. glatte Plastikoberfläche (3D-Druck ist nicht glatt!)
  • Tesafilm, Heißklebepistole und viel Heißkleber

Unbedingt Beachten

Wichtig:

Beim Aushärten entsteht Hitze, die nach außen (über die Oberfläche) abgeführt werden muss. Ist das Verhältnis Oberfläche-zu-Volumen zu schlecht, entsteht ein Hitzestau. Das Harz entwickelt in sehr kurzer Zeit ggf. Temperaturen über 100°C, was ggf. auch den Behälter schmelzen kann. Der Aushärtevorgang ist dann innerhalb ca. einer Stunde (statt 12-24h) abgeschlossen. Währendessen entstehen Spannungen und Risse im Material. Das kannst du natürlich als gewollten Effekt einsetzen, ist aber generell meistens unerwünscht und ausserdem gefährlich.

Sowohl beim Verarbeiten als auch Aushärten werden giftige Dämpfe freigegeben. Nicht einatmen und Raum gut lüften!

Epoxidharz ist giftig und darf nicht die Haut berühren. Immer Handschuhe tragen und bei Hautkontakt sofort mit Alkohol entfernen.

Sicherheitshinweise des Herstellers beachten!

Tutorial

Kurzhinweise

  • Die meiste Zeit und Arbeit frisst die Ideensammlung, das Planen, das Vorbereiten der Deko.
  • Holz, Styropor, und andere "luftige" Materialien gasen aus! Ggf. vorbehandeln/versiegeln mit Klebstoff oder einer Schicht Epoxidharz (vollständig einhüllen!).
  • Leichte Materialien "schwimmen" an die Oberfläche und schwimmen auch umher während des Aushärtevorgangs.
  • Beim Aushärten schrumpft das Harz etwas. Oberflächen können konkav aushärten. Ggf. etwas mehr einfüllen, oder zum Schluss nochmal mit einer dünnen Schicht zur gewünschten Höhe auffüllen.
  • Um Abzuschätzen wieviel Harz benötigt wird:
    • Volumen der Form in cm³ berechnen (ggf. Volumen der einzugießenden Objekte abziehen). Alternativ: Gußform mit Wasser füllen und danach Wasser wiegen (testet gleichzeitig die Dichtheit der Form).
    • Die Dichte deines Epoxidharzes messen: Eine Menge Wasser abwiegen (zB 300g) und Füllhöhe mit Edding am Behälter markieren. Wasser entsorgen, Behälter bis zur Markierung mit Harzmischung auffüllen und wiegen. Bei meinem Harz entsprechen 300g Wasser = 321g Harzmischung.
    • Multipliziere das Volumen in cm³ mit dem Gewicht des Harzes in g und dividiere durch Gewicht des Wasser in g
    • Beispiel: 8cm*8cm*35cm = 2240 cm³ = 2240/1000 ltr = 2.24 ltr = 2240g Wasser = 2240g*321g/300g Harz ~= 2.4kg Harz
  • Lies zuerst die gesamte Anleitung einmal in Ruhe durch bevor du anfängst!

Schritt 1: Kreativität & Inspiration

Bild: haecksen.orgBild: haecksen.org
Zuerst solltest du dir überlegen was du machen willst. Besorge dir die entsprechenden Bastelmatieralien, schaue dich im Internet um, und schaue dir unbedingt mal Videos zum Stichwort "Rivertables" an  :)

Hier ein paar Ideen: Baue dir eine Nachtischlampe, Schmuck, Schlüsselanhänger, gieße deine Platine in Glitzerharz ein.

  • Farbpigmente: Du kannst Lebensmittelfarben (flüssig), allgemein feine Farbpulver oder (teure) Pigmente speziell für Epoxidharz verwenden. Manche (teureren) Pigmente die ich in manchen Projekten verwendet habe haben einen wunderschönen Schimmer. Alle möglichen Sorten von Glitzerpartikeln kannst du natürlich auch untermischen.
  • Ausgasende Materialien (z.B. trockenes Holz, Styropor) sind nicht anfänger*innenfreundlich und erzeugen viel Frust. Stell dich darauf ein und mache ein kleines Experiment bevor du dich in ein großes Projekt damit stürzt.

Schritt 2: Bau deine Gußform

Bild: haecksen.orgBild: haecksen.org
Bilder: Gussformen aus laminiertem Papier und Silikonformen. Klick auf das folgende Bild für eine Detailansicht der mit Heißkleber und Tesafilm versiegelten Kanten:

Bild: haecksen.org

Folgende Tipps gelten nur für Epoxidharz, welches sich NICHT zum verkleben von Plastik eignet!

Du kannst alle glatten Plastikmaterialien verwenden inkl. Heißkleber. Silikonformen funktionieren auch. Verwende für größere Projekte aber keine Materialien die bei <100°C schmelzen (wie Frischhaltefolie oder PLA).

Als Gussform eignet sich alles was aus Plastik ist und eine sehr glatte Oberfläche hat. Die XHAIN-Buchstaben sind in alter Overheadfolie gegossen worden. Wer sehr gerade Flächen möchte kann dünnes Acrylglas verwenden (teuer!). Als mir die Overheadfolien ausgingen, verwendete ich laminiertes Papier in A4 und A3-Format. Für Schmuck oder Schlüsselanhänger kannst du auch breites Klebeband (Tesafilm o.ä.) auf Papier kleben und dir aus Tesafilmpapier eine Schablone bauen. Für Löcher im Schlüsselanhänger kannst du z.B. Plastik-Trinkhalme verwenden, oder aus Papier ein Röhrchen formen und mit Tesafilm einwickeln.

Achtung: Kanten von Tape wirst du später auf der Oberfläche sehen können! (Form an Aussenseite tapen!)
(Fast) alles was nicht aus glattem Plastik ist wird am Ende am gehärteten Harz eingeklebt sein und lässt sich NICHT entfernen!

Größere Formen kannst du zusätzlich von außen mit Karton (mit Heißkleber) bekleben um ein wenig mehr Stabilität reinzubringen.
3D-Druck: Aufgrund der rauen Oberfläche lässt es sich wahrscheinlich nur sehr schwer von dem ausgehärteten Harz entfernen. Schleifen und polieren könnte helfen, habe ich aber nicht ausprobiert. Ausserdem schmilzt PLA bei einem Hitzeproblem.

Zum verkleben der Kanten kannst du Tesafilm verwenden, musst dann aber streng(!) darauf achten, dass die Folie überall glatt anliegt und keine Falten schlägt. Das Harz ist flüssig wie Wasser und dringt durch die kleinsten Spalte nach aussen, was eine große Sauerei und Löcher im Modell verursacht.

Am Schluss die Form an allen Kanten möglichst dick und vollständig mit Heißkleber abdichten. Sei nicht geizig!

  • Wassertest: Läuft die Form aus wenn du Wasser einfüllst? Nachbessern! (Vor Verwendung gut trocknen.)
  • Lies auch einmal Schritt 10 durch um zu bedenken was beim Abdichten noch zu beachten ist.

Schritt 3: Plane deine Schritte

Bild: haecksen.org

Plane viel Zeit ein! Arbeite nicht unter Zeitdruck! Es wird viel mehr schief gehen als du denkst!

  • Bedenke, daß leichte Objekte (z.B. Styroporkugeln) an die Oberfläche "schwimmen". Plane ein, diese irgendwie zu fixieren, entweder durch unsichtbaren Klebstoff an anderen Objekten, oder durch Gießen einer dünnen Schicht Epoxidharz in dem das Objekt liegt und dann "festklebt". Warte die Aushärtezeit ab (24h) und gieße erst dann den Rest auf.
  • Bedenke, daß ausgasende Materialien wie trockenes Holz oder Styropor zuvor mit einer Schicht Epoxidharz versiegelt werden sollten. Warte die Aushärtezeit ab und stelle sicher, daß die Oberfläche auch zu 100% abgedichtet ist. Versiegle lieber ein zweites mal (weitere 24h warten).
  • Auch angemalte Objekte mit Farbschichten die ins Harz "ausbluten" könnten (z.B. Wasserfarben) sollten versiegelt werden.
  • Objekte, die in der Mitte "schweben" sollen, müssten irgendwie mit einer Schnur und Halterungsvorrichtung aufgehangen werden. Alternativ kannst du die gewünschte Schicht Harz in die Form gießen, mindestens abwarten bis das Harz sehr zähflüssig oder ausgehärtet ist (mehrere Stunden), und dann erst das "schwebende" Objekt hineinlegen. Tipp: Gussschichten werden später von der Seite sichtbar sein. Übergänge verschwinden besser, wenn du nicht die volle Aushärtung abwartest! Aber Achtung: du musst warten, bis die vorige Schicht abgekühlt ist, sonst riskierst du einen Hitzestau (und Risse im Material).
  • Schätze ab oder berechne die zu gießende Menge Harz für die Gußschicht bei größeren Projekten. Schichtdicken von 1cm entwickeln merklich Wärme und härten relativ schnell aus, entwickeln aber keinen Hitzestau und somit keine Risse im Material.
  • Kleine Objekte können auch dicker als 1cm sein und am Stück gegossen werden, z.B. Kugeln oder Dodekaeder mit ca. 2cm Durchmesser.
  • Bedenke, dass das Harz beim aushärten schrumpft. Plane ein, am Schluss nochmal eine abschließende Schicht zu gießen, falls die Füllhöhe wichtig ist.
  • Farbpigmente: Du kannst Lebensmittelfarben, Farbpigmente oder Glitzer untermischen. Lese dazu den Abschnitt in Schritt 4.

Schritt 4: Mische das Harz an

Bild: haecksen.org Bild: haecksen.org

Falls milchige Streifen zu sehen sind ist das Harz nicht gut verrührt (links). Gut verrührtes Harz (rechts) ist klar und durchsichtig (Luftblasen sind OK).

Wenn die Deko angerichtet und die Gußform abgedichtet ist kann es losgehen. Bevor du loslegst mit der Mischung, beachte den Tipp am Ende zu Farbpigmenten.

Achte auf eine gute Raumbelüftung und atme die Dämpfe nicht ein!

  • Ziehe Handschuhe an.
  • Bedecke die Arbeitsfläche zum Schutz mit Frischehaltefolie (oder Mülltüte, alte Plastiktischdecke etc.)
  • Stelle Küchenrolle und Alkoholflasche griffbereit ab.
  • Stelle die Gußform auf die Arbeitsfläche.
  • Lege locker (Druck verändert das Messergebnis!!) eine Schicht Frischhaltefolie über deine Küchenwaage (>100g) oder Briefwaage (<100g) und berühre sie nicht während dem Messen. Achte darauf, daß die Waage möglichst genau misst und für deine Größenordnung geeignet ist.
  • Stelle deinen leeren/sauberen Yoghurtbecher auf die Waage. Lege ein Rührwerkzeug (Zahnstocher/Essstäbchen) bereit.
  • Rechne zuerst: Bei einem Mischverhältnis von 2:1 teilst du die gewünschte Gesamtmenge durch 3 und nimmst einmal diesen Wert der kleineren Flasche/Behälter (bei mir Komponente B) und den doppelten Wert der größeren Flasche/Behälter (Komponente A).
    • z.B. 90g/3 = 30g. Komponente B: 30g, Komponente A: 60g.
    • Wenn dein Produkt ein anderes Mischverhältnis verlangt, halte dich an diese Vorgaben.
  • Schalte die Waage ein und "nulle" die Anzeige. Messe jetzt die Komponenten möglichst genau ab.
    • Gieß Komponente B in deinen Becher. Wenn du versehentlich mehr/weniger eingegossen hast, z.B. 35g, dann merke dir diesen Wert und nulle die Waage.
    • Gieße jetzt den doppelten Wert der anderen Komponente A hinein, also 60g oder wegen dem Versehen zuvor 2*35g=70g.
    • Hinweis: Bei dem Epoxidharz das ich verwende ist Komponente A zähflüssiger und daher schwieriger abzumessen. Ich mache es daher andersrum und messe zuerst die größere Menge ab, teile den Wert durch 2 und gieße dann Komponente B nach. Das ist Geschmacks- und Übungssache.
    • Bei größeren Mengen reicht es wenn du grammgenau misst. Bei z.B. 20g Gesamtmenge nutze ich eine Briefwaage und achte auch auf die Nachkommastellen. Größere Mengen verzeihen Fehler im Mischverhältnis leichter und sind daher anfänger*innenfreundlicher.

Wichtig: Sofort anfangen zu rühren, nicht 10min stehen lassen oder so! Vor allem größere Mengen Harz fangen sonst innerhalb von Minuten an im Becher auszuhärten und erzeugen ordentlich Hitze (bis zu >100°C).

Wichtig: Sorgfalt und Geduld beim Rühren! Damit später nichts harzig bleibt: Seeeeeehr gut verrühren! Unter gutem Licht siehst du Schlieren im Gemisch. Diese müssen vollständig verschwinden. Achte beim Rühren auch darauf die Wände und den Boden mit dem Stab aufzuwirbeln, damit es keine schlecht durchmischten Stellen gibt.

Ungeduld führt hier zu einem harzigen Ergebnis, das ihr später in die Mülltonne geben werdet.

Merke: Luftblasen sind OK, Schlieren nicht!

  • Bei kleineren Mengen Harz (z.B. 50g) hast du jetzt erstmal keine Eile, da das Harz mehrere Stunden flüssig bleibt. Bei größeren Mengen (z.B. >200g) musst du auch nicht hetzen, aber solltest zumindest einen Teil zügig innerhalb von 10min gegossen haben.
    • Wenn die Mischung merklich schnell ausgast und warm wird, dann hast du zu lange gewartet. Wenn noch flüssig genug dann jetzt schnell handeln oder die Mischung wird unbrauchbar.
Bild: haecksen.org
  • Farbpigmente oder Glitzer: Jetzt kannst du Pigmente untermischen. Die Pigmente die ich verwende sind extrem ergiebig. Bei den XHAIN-Buchstaben verwendete ich etwa eine Zahnstocherspitze bis max. 3 Zahnstocherpitzen voll Pigmentpulver pro 300g Harz. Alles darüber wird sichtlich trüb bei einer Gesamtdicke von 8cm. Bei dünneren Projekten kannst du mehr Pigment verwenden. Bedenke, dass das Material insgesamt immer trüber (weniger transparent) wird mit jeder zusätzlichen Schicht! Das ist leicht zu unterschätzen.
    • Wenn du bei größeren Projekten mit mehreren Gußschichten ein möglichst homogenes Ergebnis erzielen möchtest, empfehle ich folgende Möglichkeiten:
      • Entweder du wiegst sowohl dein Harz pro Schicht als auch dein Pigment pro Schicht seeeeehr genau ab und mischst jede Mischung einzeln. Pigment abwiegen funktioniert bei mir nicht gut wegen der sehr geringen Menge (das überfordert sogar die Briefwaage). Ich "messe" (schätze) in "Zahnstocherspitzen" oder "gehäufte Zahnstocherspitzen".
      • Wenn du dir sicher bist die genaue Gesamtmenge Harz zu kennen, oder es dir egal ist etwas zuviel Harz zu verschwenden, dann kannst du zB. auch die gewünschte Menge einer der beiden Komponenten in einen anderen Behälter (z.B. saubere/trockene Fruchtsaftflasche aus Plastik) umfüllen. Zuvor wiegst du es in z.B. einem Yoghurteimer auf der Küchenwaage ab und mischst die gewünschte Menge Pigment unter. Gut umrühren. Dann füllst du es in deinen (verschließbaren) Ersatzbehälter (dunkel/UV-geschützt lagern!). Jetzt kannst du es nach Bedarf für deine Schichten verwenden. Nachteil: Falls du dich verschätzt hast, hast du jetzt unnötig viel gefärbtes Material übrig, oder dir fehlt eine Menge und du musst die Pigmentdosierung jetzt möglichst gut "raten".

Schritt 5: Gieße das Harz

Bild: haecksen.org Bild: haecksen.org
Hier gibt es nicht viel zu beachten. Schütte die Harzmischung langsam/vorsichtig in deine Form und verteile sie gleichmäßig.
  • Du kannst versuchen mit einem möglichst dünnen Strahl zu gießen, um eingerührte Luftblasen bereits jetzt zu minimieren. So richtig viel hilft das aber meiner Erfahrung nach nicht. Um die Blasen kümmern wir uns im nächsten Schritt.
  • Achte darauf die Umgebung nicht einzusauen und beobachte, ob deine Gußform ausläuft.

Wenn die Gußform undicht ist höre sofort auf zu gießen. Am Ende wird das Harz nämlich selbst durch die kleinste Öffnung fast vollstädig auslaufen!

Wenn du alles aufgeräumt hast kannst du jetzt auch deine Handschuhe ausziehen.

Schritt 6: Luftbläschen behandeln

  • Jetzt kommt das Feuerzeug zum Einsatz: Luftblasen die an die Oberfläche steigen platzen wenn du kurz mit einer Flamme darüber streichst. Achte darauf alle Bereiche immer nur kurz mit der Flamme zu streifen, damit weder die Plastikverpackung, Deko Objekte oder das Harz nicht verkokeln.
  • Warte eine Weile und schaue wieder nach Luftblasen. Wenn das Harz warm wird musst du schneller handeln, bei kleinen Mengen oder dünnen Schichten kannst du z.B. nach einer Stunde nochmal nachschauen ob unerwünschte Bläschen entstanden sind. Ich finde Bläschen im Material hübsch, aber das sieht nicht jede/r/s so.

Falls du Zugang zu einer Vakuumkammer hast, kannst du die Luft auch durch Unterdruck herausdrücken. So machen es die Profis! Ich finde das umständlich, unnötig, und meine Projekte sind meistens sowieso zu groß für solche kleinen Kammern :)

  • Falls deine Deko-Objekte unerwünscht ausgasen, dann ist es jetzt leider zu spät. Dann hast du die Vorbereitung nicht richtig gelesen. Gehe zurück zu Schritt 3.

Schritt 7: Warten

Raum gut belüften! Gußform abdecken (z.B. mit Frischhaltefolie) und vor Staub schützen.

  • Der schwierige Teil ist das Warten. Warte am besten 12h bevor du die nächste Schicht gießt, warte 24h vor dem "Auspacken" am Ende (das hängt natürlich von deinem Epoxidharz ab, wirf einen Blick ins Datenblatt).
  • Um einen weniger sichtbaren Übergang zwischen den Schichten zu erzeugen ist es vorteilhaft, wenn die vorige Schicht noch nicht vollständig ausgehärtet ist. Aber Vorsicht:
    • Das ist schwierig zu timen, d.h. du brauchst genügend Zeit jede Stunde mal nachzusehen ob das Harz genug gehärtet und aber auch abgekühlt ist. Da geht schonmal ein ganzes Wochenende drauf. (Unter Produktions-Zeitdruck habe ich mir nachts sogar schonmal den Wecker gestellt!)
    • Wenn du zu früh die nächste Schicht gießt kann sich ein Hitzeproblem entwickeln.
    • So ganz lassen sich die Übergänge leider nicht vermeiden. Meine Empfehlung ist lieber längere Wartezeiten einplanen und die sichtbaren Schichtgrenzen einfach akzeptieren.

Schritt 8: Die nächste Schicht gießen

Wiederhole die letzten paar Schritte für die nächste Schicht einfach.

  • Bei der letzten Schicht ist zu beachten, daß das Material beim Härten etwas schrumpft.
    • Für exakte Ergebnisse: ggf. etwas mehr als gewünscht aufgießen und später abschleifen.
    • Alternativ die letzte dicke Schicht etwas "zu klein" schrumpfen lassen, und am Ende eine allerletzte dünnere Schicht genau auf die gewünschte Höhe auffüllen. (Ich bin faul und nutze diese Methode.)

Schritt 9: Form nach 24h entfernen

Bild: haecksen.org

Fühlt sich an wie Weihnachten: Das Auspacken :)

  • Nimm Cuttermesser oder andere flache Werkzeuge zum aushebeln aus der Form. Achte darauf die Oberfläche deines Projektes nicht zu zerkratzen. Akrylplatten müssen wahrscheinlich zerbrochen werden, flexible Plastikfolien lassen sich auch relativ leicht mit den Fingern entfernen. Bei einer Silikonform drücke das Objekt einfach aus der Öffnung heraus.

Schritt 10: Nachbearbeitung

Dir wird auffallen, dass je nachdem wie sauber du die Kanten abgedichtet hast, die Kanten nicht ganz so hübsch aussehen.

  • Falls dir Heißkleber zwischen die Ritze gelaufen ist, dann hast du dort jetzt einen Negativabdruck davon auf deinem Guß. Ist jetzt so, damit musst du jetzt leben. Beim nächsten mal klappts bestimmt besser.
  • Besser ist wenn dir stattdessen Epoxidharz in die Ritzen gelaufen ist, dann hast du jetzt ein wenig Material überstehen. Das kannst du vorsichtig mit dem Cuttermesser entfernen.
  • Wenn du perfekte aber scharfe Kanten am Objekt doof findest, kannst du auch das mit dem Cutter nachbearbeiten oder mit Schleifpapier runterschleifen. (Achtung! Epoxidharzstaub möchtest du NICHT in die Lunge bekommen!)

Nachbessern für Faule:

  • Solltest du irgendwo eine rauhe/nicht glätzende Stelle haben, z.B. an den Kanten von dem Cuttermesser, dann kannst du dir jetzt eine winzige Menge Harz in einem kleinen Becher (z.B. Soßenbecher vom Sushi-Laden um die Ecke) mit der Briefwaage abwiegen und mit einem Zahnstocher anmischen. Verrühre es gut.
  • Jetzt ist Fingerspitzengefühl gefragt: Nimm ein Zahnstocher und tupfe wenige Tropfen auf die kleinen rauen Stellen. Jetzt warte wieder 24h und du wirst feststellen, dass die Stelle wieder glänzt! Juhuu! \o/

Nachbessern für Perfektionisten:

  • Wenn dir die Oberflächen nicht glatt genug oder hübsch genug sind, dann kannst du jetzt anfangen alles auf die gewünschten Maße abzuschleifen und hinterher zu polieren. Achte darauf eine passende Maske zu tragen, um die kleinen Plastikpartikel aus der Luft zu filtern. Atme das Plastikpulver nicht ein! Anleitungen findest du im Internet. Das ganze ist ziemlich aufwändig, aber erzeugt fantastische Resultate!

Schritt 11: Sei stolz!

Bild: haecksen.org
Sei stolz auf dich, dein erstes Epoxidharzprojekt ist gelungen! Wenn nicht, dann hast du jedenfalls viel dabei gelernt ;)

Typische Fehler

Ungeduld:

  • Bewege oder berühre das Objekt nicht während der Aushärtezeit und warte einfach ab! Du ruinierst sonst nur die Oberfläche.
  • Gieße nicht dickere Schichten "damit es schneller geht". Das erzeugt zuviel Hitze und Risse im Material.
  • Wenn das Harz an manchen Stellen beim Aushärten harzig bleibt, dann wurde die Harzmischung nicht lange genug gerührt und war schlecht durchmischt. Mehr Zen beim Rühren! Es ist nahezu unmöglich dieses Problem später zufriedenstellend zu beheben.

Form läuft aus:

  • Kanten wurden nicht ordentlich abgedichtet. Sei nicht sparsam mit Heißkleber! Fehler sind schwer zu beheben, da Heißkleber oder Tesafilm nicht auf Oberflächen mit nassem Harz kleben bleibt!

FAQ

Fragen die mich erreichten:

  • F: Wie lange kann das angebrochene/nicht-angebrochene Epoxidharz gelagert werden?
    • A: Meine Empfehlung: Nicht lange. Nach einem halben Jahr Lagerung war mein Harz noch verwendbar, aber sichtlich vergilbt. Die Qualität leidet. Besser nur so viel kaufen wie du gerade benötigst.

Epoxidharz-Experimente

Bild: haecksen.org

Links: Papier besprüht mit Haarspray/Klarlack und mit Epoxidharz überzogen. Mitte: Noch feuchte Abformmasse (mit und ohne Klarlack besprüht) mit Epoxidharzfüllung. Rechts: Die Teststücke nach 6 Monaten auf dem Balkon.

Bild: haecksen.org
Links: Abformmasse Hand. Rechts oben: Gesichtsabdruck mit eingebetteter Masse. Rechts unten: Erfolgreicher Handabdruck.

Mit einer schnellhärtenden Abformmasse, habe ich detailgenaue Abdrücke von meinem Gesicht und meiner Hand gemacht und mit Epoxidharz aufgegossen. Da die Masse preislich nicht günstig ist, habe ich zunächst kleine Testmengen verarbeitet. Hierzu habe ich meine Fingerkuppen in die Abformmasse gedrückt. (Da meine Fingerabdrücke gut sichtbar sind, musste ich sie auf den Fotos zensieren.) Ich las im Internet, daß Klarlack oder Haarspray verwendet werden kann, damit sich das Harz besser von der Abformmasse löst. Hierzu habe ich zwei Tests gemacht:

  • Zunächst sprühte ich Papier mit Klarlack und mit Haarspray ein. Dann goß ich etwas Harz darüber um zu testen, ob sich später das Harz vom Papier loslösen lässt. In beiden Fällen: Nein!
    • Der Klarlack reagierte mit dem Epoxidharz und wurde häßlich gelb.
  • Einen ähnlichen Test habe ich mit der Abformmasse gemacht: Einmal mit und einmal ohne Klarlack besprüht. Das Epoxidharz ließ sich aus beiden Formen gut lösen, allerdings erzeugte der Klarlack eine hässliche gelbe Schicht und zerstörte etwas die Detailgenauigkeit der Fingerabdrücke.
  • Abformmasse: Sofern die Masse noch feucht mit Wasser ist, lässt sich das Harz gut herauslösen. Allerdings trocknete die Masse die ich verwendete sehr schnell an dünnen Rändern aus, so daß das getrocknete Pulver an diesen Stellen im Harz hängen blieb.
    • Fotos: Ein (misslungener) Abdruck von meinem Gesicht mit eingebetteter Abformmasse am Rand, Abdruck meiner Hand aus weißschimmerndem Harz mit feucht gehaltener Abdruckform