Geschlechtergerechte Sprache

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Disclaimer: Momentan behandelt dieser Artikel lediglich das (ent-)gendern im derzeitigen schriftsprachlichen Deutsch. Zur Erweiterung um Themen wie gendergerechtes Sprechen (gesprochensprachliches (Ent-)Gendern), Genderrollen in sprachlichen Mustern oder (ent-)gendern in anderen Sprachen wird ausdrücklich ermutigt.

Thema: Was ist das Problem?

Uns Haecksen ist inklusive Sprache wichtig. Deswegen wollen wir in unserer Sprache die Existenz von mehr als zwei Geschlechtern widerspiegeln. Es gibt inzwischen viele verschiede Möglichkeiten dafür:

  • Lehrende
  • Lehrer und Lehrerinnen, LehrerInnen, Lehrer/innen
  • Lehrer_innen,
  • Lehrer*innen
  • Lehrer:innen

Lösungsansätze im Deutschen

Wichtig: Andere Sprachgemeinschaften haben andere Lösungen! Will heißen, im Italienischen wird anders gegendert als im Französischen etc.

Generisches Femininum

Lehrerinnen (gesamtes Lehrpersonal mitgemeint) Vorteil:

  • genau die, die sonst so sehr daran gewöhnt sind, immer angesprochen zu werden, werden nicht erwähnt.
  • lenkt den Blick auf geschlechtsbezogene Diskriminierungen

Nachteil:

  • reproduziert Binarität
  • Ersetzt eine Diskriminierung durch eine andere

Genderneutrale Formulierungen

Lehrende

Vorteile:

  • verbraucht weniger Zeichen als die meisten anderen Lösungen
  • enthält keine Sonderzeichen (typografisch einfacher umzusetzen, nutzt nur visuell gewohnte Zeichen)

Nachteile:

  • zweideutig:
* a) Lehrende = eine Person, die jetzt gerade im Moment die Tätigkeit des Lehrens ausführt (Verwendung als Gerundium)
* b) Lehrende = eine Person, deren Beruf die Lehre ist, die jetzt grade aber vielleicht ein Käsebrot isst (Verwendung als genderneutrale Berufsbezeichnung)

Zwei Geschlechter nennen, Binnen-I, Schrägstrich

Lehrer und Lehrerinnen, LehrerInnen, Lehrer/innen

Besser als nichts. Problem: reproduziert Binarität, stellt ein „entweder-oder“ dar

Unterstrich

Lehrer_innen

Vorteil: "_" schafft Platz für Identitäten jenseits der Binarität

Nachteil: subsumiert eine Personengruppe in einem Loch.

Genderstern

Lehrer*innen

Vorteil:

  • SPARKLES!! ~ * ~ * ~ * ~ * ~
  • Repräsentiert Geschlecht als Spektrum
  • besser sichtbar für Leute, die schlecht sehen
  • wurde von queeren Communities selbst vorgeschlagen/entwickelt

Nachteil:

  • Ungewöhnliches Zeichen in Texten
  • verbreitete Annahme: wird von Screenreadern jedes Mal als Sternchen vorgelesen: „Lehrer Sternchen Innen“, das irritiert Nutzer*innen von Screenreadern und lenkt vom Textinhalt ab, deshalb nicht barrierefrei.
   unsere Entgegnung: Das wäre eine soziale Lösung für ein technisches Problem. In dem Moment, in dem sich das Sternchen durchsetzt, werden die Screenreader damit klarkommen.

Doppelpunkt

Lehrer:innen

Vorteile:

  • verbreitete Annahme: screenreader-freundlicher, weil es als Pause vorgelesen wird => also besser für Sehbehinderte?
  • etabliert sich langsam in großen Medien wie der Tagesschau und trägt damit viel dazu bei, den Status von gendergerechter Sprache als Nischenphänomen zu überwinden
  • stört weniger

Nachteile:

  • wird leicht übersehen
  • wird teils als Symbol für Binarität gesehen
  • stört zu wenig: Solange Gendern nicht Gewohnheit ist, ist es vielleicht gut, wenn wir darüber ein bisschen stolpern müssen.

Empfehlung des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands

Der Doppelpunkt zum (Ent-)Gendern sei weder gendergerecht, noch inklusiver oder barriereärmer.

Der DBSV spricht sich gegen den Doppelpunkt und für das Sternchen aus: „Falls jedoch mit Kurzformen gegendert werden soll, empfiehlt der DBSV, das Sternchen zu verwenden, weil es laut Veröffentlichungen des Deutschen Rechtschreibrates die am häufigsten verwendete Kurzform ist und so dem Wunsch nach einem Konsenszeichen am nächsten kommt. Zudem ist davon auszugehen, dass Doppelpunkt und Unterstrich für sehbehinderte Menschen schlechter erkennbar sind als das Sternchen.“

„Auch Computersysteme können Texte vorlesen. Dabei gibt es unterschiedliche Optionen, wie Satz- und Sonderzeichen behandelt werden – je nachdem welche Software, also welcher Screenreader, verwendet wird. Gelingt es, das Vorlesen bestimmter Zeichen gezielt zu verhindern, werden diese immer unterdrückt – beispielsweise wird ein Stern, der in einem Formular ein Pflichtfeld markiert, dann ebenfalls nicht vorgelesen. Das Unterdrücken wird durch eine Pause realisiert, die dem Glottisschlag nahekommt. Von der queeren Community wird dies begrüßt, da er zum Nachdenken anregt und von ihr ohnehin in der gesprochenen Sprache zum Gendern genutzt wird.“

https://www.dbsv.org/gendern.html

Unterschiedliche Meinungen dazu

Dieses Thema wurde schon desöfteren unter den Haecksen diskutiert. Derzeit verwenden wir in Ankündigungen oder der Außenkommunikation üblicherweise den Genderstern.

Gleichzeitig haben unterschiedliche Haecksen natürlich auch individuelle Meinungen und Gründe, warum sie welche Formen des (ent-)genderns befürworten:

  • Manche Haecksen empfinden den Doppelpunkt als leichter zu parsen als den Stern und den Unterstrich, andere finden jedoch den Stern leichter zu parsen.
  • Für eine Haeckse ist „Gewohnheit ein ganz ganz großer Faktor. Sternchen und genderneutrale Formulierungen überlese ich inzwischen bzw. integriere sie als ‚normal‘, alles andere (ganz besonders generisches Maskulinum) sorgt bei mir für kurze irritierte Lesepausen – aber nicht wegen der Orthografie, sondern weil mein Kopf versucht, zu errechnen, inwiefern das Weltbild der Schreibenden von meinem abweicht, und inwiefern ich das ins Textverständnis einbeziehen muss.“
  • Es wurde vorgeschlagen, sich zunächst nach den Empfehlungen aus der queeren Community zu richten und dabei nach Möglichkeit Überlegungen zur Barrierefreiheit einfließen zu lassen. Dazu ist es dann natürlich wichtig, nicht nur intuitiv oder anekdotisch vorzugehen, sondern auch Stellungnahmen wie die des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes und anderer offizieller und inoffizieller Betroffenenverbände zu berücksichtigen.
  • Eine Vielzahl der an der Diskussion beteiligten Haecksen sprach sich dafür aus, zugunsten der Barrierefreiheit neutrale Formulierungen zu verwenden, wo immer es möglich ist.