Haecksen=Hexen?

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Beim Ende 2019 stattfindenden Geekend haben wir uns intensiv mit der Geschichte von Hexen und Hexenverfolgung auseinander gesetzt. Großer Dank gilt der Haeckse, die damals viel Zeit in die Erforschung und Aufbereitung des Themas gesteckt hat. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels ist dies schon eine Weile her, aber trotzdem hier der Versuch, die gewonnenen Erkenntnisse zusammen zu fassen.

Historie der Hexenverfolgung

Das hier ist nur eine stark zusammengefasste Version der Geschichte, die sich darauf konzenztriert die Aspekte herauszuarbeiten, die für die Konsequenzen besonders wichtig sind. Sollte es zusätzliche Aspekte geben, die wichtig für die Konsequenzen sind, bitte gerne einfügen!

Achtung, Triggerwarnung: sexualisierte Gewalt

Umfeld

Gegen Ende des Mittelalters und in der frühen Neuzeit gibt es in Europa zahlreiche Krisen:

  • Die Pest verbreitet sich ab dem 14. Jahrhundert und bricht in einzelnen Gebieten immer wieder aus.
  • Die kleine Eiszeit mit besonders kalten Phasen von etwa 1570 bis 1630 und 1675 bis 1715 sorgt für Missernten und über die daraus resultierende Verteuerung von Lebensmitteln für Inflation.
  • Die Reformation führt über kleinere Konflikte im 16. Jahrhundert bis in den 30-jährigen Krieg (1618–1648)
  • Großgrundbesitzer vereinnahmen, beginned in England, ab dem 14. Jahrhundert mit verschiedenen Taktiken gemeinschaftlich genutzte Flächen (Allmende), indem sie eingehegt (umzäunt) werden. [1]
  • Insbesondere die Frauen[*] verlieren mit der Allmende nicht nur einen sozialen Treffpunkt, sondern auch ihre einzige Witwen-, Waisen- oder Altersvorsorge. Dorfgemeinschaften brechen auseinander.
  • Aufstände gegen diese Einhegung werden von Frauen[*] unterstützt, manchmal sogar angeführt. [2]
  • Gewalt ist überall, Gruppenvergewaltigungen durch urbane junge Männer[*] und Soldaten[*] sind alltäglich und werden kaum geahndet.[3]

Hexenverfolgungen und Hexenprozesse fallen nicht zufällig mit einem Wandel des Gesellschaftsmodells und Geschlechterrollen zusammen. Während im Mittelalter die Subsistenzwirtschaft (Produktion für den Eigenbedarf) vorherrschte, setzt sich anschließend die Geldwirtschaft und der Kapitalismus durch. Männer[*] sind zunehmend außerhalb des eigenen Hauses marktwirtschaftlich tätig, während für die Frauen[*] Lohnarbeit nicht (oder nur zu sehr viel schlechteren Konditionen) vorgesehen ist. Frauen[*] werden auf Tätigkeiten rund um die Reproduktion festgelegt und sind durch die dadurch entstehende Abhängigkeit sozial degradiert.[2]

Begriffsentstehung

Die Entstehung des Begriffs Hexe[**] lässt ab dem Beginn des 15. Jahrhunderts nachweisen. Hexen werden alle möglichen Eigenschaften unterstellt, die sich aus Vorwürfen zusammensetzen, die bereits im Mittelalter verfolgten Gruppen unterstellt wurden. Aus den Geständnissen von als Ketzern verfolgten Kathareren und Waldendsern werden Teufelsanbetungen und nächtliche orgiastische Zusammenkünfte übernommen, aber auch antijüdische Vorurteile wie Kinderopfer und der Hexentanz (in der Synagoge; daher der Begriff „Hexensabbat“) werden hineinprojiziert.

Auch wenn die Inquistion nur für einen sehr kleinen Teil der Hexenprozesse verantwortlich war und es aufseiten der Kirchen auch gebietsweise Widerstand gab[4], wurde von geistlichen Hexentheoretikern die Grundlage für die Hexenverfolgung gelegt. Dies geschah mit einer Pabstbulle im Jahr 1484 in Verbindung mit dem sogenannten Hexenhammer, einer Art Anleitung zur Verfolgung vor allem weiblicher Hexen.[5] Auch die Reformatoren Luther und Calvin befürworteten Hexenverfolgung. Luther hielt explizite Hexenpredigten; er ging davon aus, dass Hexen Umgang mit dem Teufel hätten, und unterstellt ihnen zahlreiche Schadzauber und den Pakt mit dem Teufel.[6]

Prozesse gegen Hexen fanden auf dem Gebiet des heutigen Deutschland allerdings vornehmenlich vor weltlichen Gerichten statt und dienten den Herrschenden (insbesondere von Kleinstaaten) auch als Instrument, um die eigene Autonomie und Gerichtshoheit zu dokumentieren und zu festigen.[4]

Der Begriff Hexe heute

In stark verklärter Form hat die oben beschriebene Vergangenheit ein heutiges Hexenbild hervorgebracht, das größtenteils immer noch von negativen Stereotypen besetzt ist.[7] Es gibt aber inzwischen auch positiv besetzte Hexen, z.B. in der Kinderliteratur.[8] Dazu gibt es Bestrebungen, den immer noch als Schimpfwort verwendeten Begriff durch die Selbstbezeichnung als Hexe anzunehmen, damit die Deutungshoheit zu erlangen und ihn dadurch zurückzugewinnen.[9][10] Siehe auch Satanic Feminism.[11]

Konsequenzen für die Haecksen

Der folgende Abschnitt spiegelt bisher hauptsächlich waldwesens Meinung wider. Er darf und soll gerne diskutiert werden!

  • Hexe sein ist als selbstgewählter Begriff völlig in Ordnung, grade wenn es um die oben beschriebene Zurückgewinnung des Begriffs geht.
  • Aber: Nicht jeder Mensch bei den Haecksen möchte eine Hexe sein, daher sollten wir mit Hexensymbolik sparsam umgehen und uns als Gruppe nicht zu sehr damit gleichsetzen.
    • Haecksen sind Wissenschafts-Fans, Esoterik sollten wir nicht verbreiten oder unterstützen.
    • Sexuell konnotierte Stereotype (Besen reiten -> Selbstbefriedigung, Hexentanz -> Orgie) kann man sicherlich auch als Symbole sexueller Selbstbestimmung sehen, allerdings wird sich evtl. nicht jede damit wohlfühlen. Der Einsatz sollte ggfs. im Einzelfall angesprochen und diskutiert werden.
    • Das Haecksen-Feuer ist als Lagerfeuer (an dem sich alle versammeln können) vielleicht schöner, als als Hexenverbrennungs-Feuer, und ein Kessel (zum Kinderkochen) muss vielleicht auch nicht immer sein.
    • Judenfeindliche Stereotype (Hexensabbat, krumme Nase) sollten wir grundsätzlich nicht replizieren.
  • Und: Nicht jede Hackerin möchte Haeckse genannt werden, daher ist der Begriff Haecksen ungeeignet, um pauschal weibliche Wesen in der Hacking-Community zu bezeichnen.

To Do Liste

Rechtschreibfehler Tätigkeiten weniger binäre Formulierungen Blogpost draus machen


Anmerkungen

[*] In der Forschung zum Thema Hexen wird (so weit es unsere Quellen betrifft) mit einem binären Bild von Geschlechtern gearbeitet. Vermutlich gibt die spätmittelalterliche Quellenlage auch nichts anderes her. Da im ersten Abschnitt hauptsächlich solche Quellen zitiert werden, bilden wir dies hier ebenfalls so ab, da die Quellen keine Informationen dazu bieten, wie mit Menschen, die ihr zugewiesenes Geschlecht als unpassend empfanden umgegangen wurde.

[**] Auch wenn es durchaus auch Männer gab, die der Hexerei bezichtigt wurden (dann aber eher unter dem Begriff "Zauberer"), sind diese grade in Deutschland in der Minderheit. Da sich dieser Artikel mit dem Begriff Hexe auseinandersetzt (und sich das Stereotyp des Zauberers ganz anders weiterentwickelt hat) bleiben wir hier beim Begriff Hexe.

Quellen

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Einhegung

[2] Silvia Federici, Caliban und die Hexe, 2012, Seite 89/90

[3] Women in early modern Europe 1500-1700, 2007, Seite 285

[4] https://www.dhm.de/archiv/ausstellungen/hexenwahn/aufsaetze/01.htm

[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Hexenhammer

[6] http://www.anton-praetorius.de/downloads/Hexenpredigt%20von%20Martin%20Luther.pdf

[7] https://vimeo.com/110490817 Hexen in Filmen

[8] https://www.grin.com/document/106319

[9] https://awomensthing.org/blog/witches-feminism/

[10] https://www.zeit.de/kultur/2018-10/feminismus-hexen-bezeichnung-negativitaet-symbol-weibliche-selbstermaechtigung-10nach8

[11] https://www.youtube.com/watch?v=sjFfWdvdgkU&feature=emb_logo Satanistic Feminism